Sachsens Landwirtschaft passt sich an Trockenheit an

Die Trockenheit zieht in Sachsen erste Veränderungen im Pflanzenbau nach sich. Walter Schmidt, Referatsleiter Pflanzenbau des sächsischen Landesamts für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, beobachtet, dass mittlerweile Sorten angebaut werden, die Dürreperioden besser vertragen. Neben Kartoffeln und Mais wachsen bereits Hirse- und Sojapflanzen im Freistaat.


Frage: Bedroht die derzeitige Trockenheit die sächsische Landwirtschaft?


Antwort: Tendenziell nehmen in Sachsen die Niederschläge in den Monaten April bis Juni seit 1961 ab. Das Wasserdefizit aus dem trockenen Vorjahr wurde bis jetzt noch nicht ausgeglichen. Wir sind darum mit trockenen Böden ins Jahr 2019 gestartet. Das bedeutet, dass die Pflanzenwurzeln in diesem Frühjahr vielerorts auch in größeren Bodentiefen nur wenig Wasser vorfinden.


Frage: Bauen die Landwirte in der Folge denn andere Pflanzen an, die den trockenen Böden besser gewachsen sind?


Antwort: Einige Betriebe bauen mittlerweile neben den klassischen Kulturen wie Getreide, Raps und Mais auch Sorghum an, also Hirsepflanzen, die eigentlich aus Afrika stammen. Gut entwickelte Sorghumpflanzen überstehen Trockenperioden gut, sie gehen in eine Ruhephase über, bis es wieder ausreichend Wasser gibt. Hirse eignet sich besonders für Biogasanlagen. Auch die wärmeliebenden Sojabohnen werden in Sachsen angebaut - allerdings fehlen noch die geeigneten Sorten, die genau für unsere klimatischen Bedingungen gezüchtet wurden. Daran wird aber derzeit geforscht. Mittlerweile sieht man auch die alte Futterpflanze Luzerne wieder verstärkt auf den Feldern. Ihre Wurzeln reichen tief in den Boden, wo sie auch bei Trockenheit Wasser finden.


Frage: Werden also künftig Sojabohnen, Hirsepflanzen und Ananas in Sachsen wachsen statt Kartoffeln, Mais und Rüben?


Antwort: Nein, Ananas wachsen in Sachsen nach wie vor nicht. Und Hirse und Soja sind auch keine ultimativen Lösungen. Die klassischen Kulturen wie Weizen, Kartoffeln, Mais und Rüben werden weiterhin wachsen. Sinnvoll ist es aber beispielsweise, Sorten anzubauen, die früher reif sind. Das spart Wasser. Längerfristig müssen wir uns grundsätzlich Gedanken um Möglichkeiten der Bewässerung machen.


Frage: Das Wasser muss aber erst einmal da sein.


Antwort: Genau. Bewässerung ist nur bei einem entsprechenden Wasserangebot möglich. Daher müssen wir Regen so gut wie möglich nutzen. Am besten ist es, wenn das Wasser versickert. Darum raten wir Landwirten, ihre Äcker nicht zu pflügen. Denn dadurch verschlämmt die Erdoberfläche, eine Kruste bildet sich, wasserableitende Poren werden zerstört. Beim nächsten Regen versickert daher sehr wenig Wasser, Erde wird sogar weggeschwemmt. Daher empfehlen wir, Stroh auf den Äckern zu belassen und Zwischenfrüchte anzubauen - und pfluglos zu bestellen statt zu pflügen. All das fördert das Bodenleben in der Ackerkrume, insbesondere die Regenwürmer. Wenn Regenwürmer sich etwa Stroh in ihre Gänge holen, entstehen Poren, in denen das Wasser wunderbar im Boden versickern kann. Das trägt zur Befeuchtung des Unterbodens bei. Dadurch können unsere Pflanzen Trockenperioden besser überstehen.


ZUR PERSON: Dr. Walter Schmidt (61) ist seit 1992 bei der Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft und seit 2008 bei der Nachfolgeeinrichtung, dem Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie als Referatsleiter Pflanzenbau tätig. Er studierte und promovierte an der Universität Stuttgart-Hohenheim.

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